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Rosenstolz sagen ganz laut ja zum Leben

Rosenstolz - Wir sind am LebenTotgesagte leben länger: Rosenstolz kehren nach einer Zwangspause wie Phönix aus der Asche ins Rampenlicht zurück. Ihr 20-jähriges Jubiläum zelebrieren AnNa R. und Peter mit einem souveränen Comeback-Album, das ja zum Leben und der Liebe sagt.

Nach dem Zusammenbruch von Peter Plate vor zwei Jahren schien die Zukunft von Rosenstolz zunächst ungewiss. Diagnose: Burnout-Syndrom – mit einer Zwangspause als Konsequenz! Plate geht es inzwischen wieder besser, er hat sich während der Auszeit in London erholt – neu angefangen, wie er selbst sagt. Die Musik war ihm eine große Hilfe dabei, wieder zu sich selbst und vor allem zur Ruhe zu finden. Ganz ungezwungen bastelte er an Songideen – nicht etwa mit dem Ziel einer CD-Veröffentlichung vor Augen, sondern einfach nur für sich selbst.

Mit frisch getankter Kraft melden sich Rosenstolz nun doch wieder im Rampenlicht zurück und lassen ihre Fans quasi an Peters musikalischem Genesungsprozess teilhaben: Gleich die erste Single aus dem neuen Album wartet mit deutlichen Zeilen auf. Der hymnische Song offenbart all die Fragen, die Plate während seiner Krise wohl durch den Kopf gespukt sind: Hast du wirklich gelebt? Was ist liegen geblieben? Wer gibt dir den Frieden? An was willst du glauben?

"Wir sind am Leben", schmettert AnNa R. schließlich im eingängigen Refrain und wischt alle Zweifel, alle Ängste mit einem Mal vom Tisch. Rosenstolz sagen diesmal so laut wie vielleicht noch nie ja zum Leben und natürlich zur Liebe. Dabei klingt das erfolgreiche Pop-Duo diesmal mitunter wieder so verspielt und sympathisch schräg wie zu seinen Anfangszeiten in den 90ern. "Überdosis Glück" regt mit gut gelaunten Bläsern und schepperndem Plastik-Beat zum Schmunzeln an. So ein bisschen Trash ist eben Tradition bei Rosenstolz. Auch Peter verzeiht man einmal mehr die schiefen Töne bei "Mein Leben im Aschenbecher", da er die schmissige Nummer mit einer ordentlichen Portion Selbstironie serviert. Frei nach dem Motto: Ein Tief hat man überwunden, wenn man es selbst mit Humor reflektieren kann. Wie Peter zu neuem Lebenmut gefunden hat, verrät das elektronisch angehauchte "E.n.e.r.g.i.e.". Es geht auch in diesem Titel ums Abschalten, Kräfte sammeln und einen grundlegenden Neuanfang.

Die Hoffnung zieht sich als treibendes Motiv durch den stampfenden Ohrwurm "Flugzeug", der wie ein gefälliger Mix aus Madonnas "Ray Of Light", Haddaways "What Is Love" und einem helene-fischersken Schlager daherkommt. "Ich weiß gar nicht mehr, wie schön das Fliegen war", träumen sich Rosenstolz ebenso im "Lied von den Vergessenen" mutig und zuversichtlich in luftige Höhen. Wenn das mal keine Single wird! Trotz der überraschend vielen Uptempo-Stücke kommen die für die Berliner so typischen Balladen nicht zu kurz: "Sprachlos" taucht zunächst tief in einem Meer aus Streichern, bis zur zweiten Strophe ein dezenter Pop-Beat einsetzt. "Jetzt steh ich hier, weiß nicht, was ich sagen soll. Kein Wort von mir, bin sprachlos", singt AnNa den Refrain mit gewohntem Pathos, der die stets simplen Rosenstolz-Reime so tiefsinnig macht. Ein Kuss mit der Monroe geht in "Marilyn" nicht minder leidenschaftlich über die Bühne, bis es im Anschluss gar heißt: "Wir küssen Amok".

Geknutscht wird selbstverständlich ganz kitschig und trotzdem stilsicher im Regen, später auch "Irgendwo in Berlin". Die ergreifende Pianoballade erweist sich zusammen mit dem bombastischen Finalsong "Beautiful" als emotionaler Höhepunkt auf "Wir sind am Leben". Ohne Frage: Rosenstolz sind noch am Leben und dürften mit ihrem zwölften Studioalbum alle Erwatungen ihrer Fans erfüllen. Wer bislang nicht dazu gehörte, wird sicher auch diesmal nicht bekehrt. Dafür bleiben sich Rosenstolz viel zu treu – wohlgemerkt, ohne dabei zu langeweilen. (TEXT-BAUER)

Rosenstolz: "Wir sind am Leben" – erscheint am 23. September 2011, Preis: ca. 13 Euro

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